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| Scheinbare Demokraten - DDR-Dissidenten heute - ein Beispiel |
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| Mittwoch, 19. Oktober 2011 um 14:44 Uhr |
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Im Laufe der Zeit zeigt sich immer wieder, dass die Aufarbeitung der DDR-Geschichte die wunderbarsten Dinge zum Vorschein bringt. Eines der jüngeren Beispiele ist der Fall der Redaktion der „Blicklicht“, einer kleinen Cottbuser Kulturzeitschrift. Hin und wieder erscheinen in dieser Zeitschrift Artikel, Interviews und Leserbriefe, die sich ablehnend zur DDR und ihrer Staatssicherheit beziehen. Die Mitglieder der Blicklicht-Redaktion führen einen Kampf der Demokratie gegen die Diktatur, sofern es gegen die DDR geht, doch zeigt jüngster Fall, was ihr Demokratieverständnis ist. Es wird dann schon mal die Forderung nach einer Gesinnungsjustiz laut. Ausgangspunkt Leserbrief Die Geschehnisse nahmen ihren Lauf mit einem Leserbrief zur Mauergedenkfeier in der Ausgabe 09/2011. Dieser Leserbrief war sachlich gehalten und stand auf den Ergebnissen der heutigen Geschichtsforschung, war nur dahingehend akzentuiert, dass man nicht der DDR oder den Kommunisten die Schuld an der Teilung Deutschlands geben kann, da sie ein Ergebnis des Kalten Krieges und bei der Gründung der NATO einkalkuliert wurde. Dieser Leserbrief wurde in der Ausgabe 10/2011 von zwei Personen, Jens Pittasch und Ingo Schiege, beantwortet. Sachlich hatten sie nichts zu einer Diskussion beizutragen, warfen aber mit Unterstellungen um sich, z.B. behaupteten sie, ohne es beweisen zu wollen, die historischen Fakten wären verdreht worden, der Schreiber des ersten Leserbriefes wäre ein Kalter Krieger, wäre ein Vorgestriger und hätte nur die Propagandalügen des SED-Regimes nachgeplappert.
Argumente sind nicht erwünscht und Polemik verboten Der Autor des ersten Leserbriefes bat die Blicklicht-Redaktion um die Möglichkeit einer Antwort, um zu zeigen, dass alles, was er geschrieben hatte, durch west- oder bundesdeutsche nichtkommunistische Quellen belegt werden kann. Zuerst wurde ihm das zugesagt. Nach Einreichung der Antwort wurde sofort mitgeteilt, dass man das nicht drucken werde. Verantwortlich war dafür der Redakteur Daniel Häfner und wahrscheinlich hat auch die Androhung einer Unterlassungsklage seitens des Redakteurs Jens Pittasch eine Rolle gespielt. Hauptstreitpunkt war ein Absatz in dem beispielhaft dargelegt werden sollte, was in der Geschichtswissenschaft diskutiert wird, wie sich die Erinnerung von Personen im Laufe der Zeit und mit jahrelanger Stasihysterie ändert. Es sollte gezeigt werden, dass Personen, die z.B in der DDR damit geprahlt hatten, mit hohen Funktionsträgern zusammengekommen zu sein, oder dass sie Dinge tun konnten, die für andere scheinbar nicht möglich waren, und dadurch schon damals in ihrem Kollektiv als suspekt angesehen wurden, heute ganz leicht zu diffamieren sind. In dem Beispiel wurde davon ausgegangen, wenn man heute behaupten würde, diese Person sei bei der Stasi gewesen, sich garantiert ein ehemaliger Arbeitskollege finden lassen würde, der aufgrund der damaligen Erfahrungen und der medialen Beeinflussung in den Jahren nach der Wende, der bestätigen würde: „Ja, er war wirklich bei der Stasi“. Und in dem Fall wäre es dann egal, ob die betreffende Person wirklich für die Stasi gearbeitet hätte oder nicht, die Erinnerung der anderen wäre bereits so verändert, dass die Stasimitarbeit scheinbar belegt wäre. Am schlimmsten wurde aber empfunden, dass, nachdem der Blicklicht-Redakteur Jens Pittasch seinen arrogant-herablassenden und provokatorischen Leserbrief veröffentlichte, sein Name in diesem Absatz eingesetzt wurde. Natürlich hätte dort auch „Person xyz“ oder „Max Mustermann“ stehen können, der Absatz hat es auch sehr deutlich gemacht, dass der Name „Jens Pittasch“ nur beispielhaft genannt wurde. Aber scheinbar ist es für ihn nicht leicht zu ertragen, wenn ihm Kontra geboten wird.
Forschungsergebnisse der Geschichtswissenschaft So und in ähnlicher Weise, wie es im dem betreffenden Absatz geschildert wurde, hat es die Geschichtswissenschaft am Beispiel ehemals Eingesessener in sowjetischen Sonderlagern nach dem Zweiten Weltkrieg festgestellt. Man hatte einerseits festgestellt, dass sich Personen, die unschuldig inhaftiert waren, sich mit Schuldigen solidarisierten und dass in deren Wahrnehmung alle Inhaftierten unschuldig waren. Andersherum war es mit der Wahrnehmung der übrigen Bevölkerung, denn bei dieser war die Ansicht verbreitet, irgendwie hat man sich schon etwas zuschulden kommen lassen, sonst hätte man ja nicht eingesessen. So wurden die Unschuldigen auch für schuldig gehalten. Die Geschichtswissenschaft hat gezeigt, dass es Aufgabe der Historiker ist, die Geschichte differenziert zu untersuchen und darzustellen, denn nur so kann der Einzelne in konkreten Fällen zwischen Schuld und Unschuld unterscheiden. Diese Erkenntnisse müssen auch auf die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit angewandt werden. Denn noch immer werden Personen als unschuldige Opfer der Staatssicherheit präsentiert, die auch nach den heute gültigen Gesetzen verurteilt werden müssten. Z.B. wird bei Personen der „Jugendopposition“ klar benannt, dass sie teilweise Einbruch, Diebstahl, Brandstiftung usw. begingen, werden aber als unschuldig Verfolgte präsentiert. Es ist aber auch notwendig, historische Zusammenhänge aufzuzeigen, den Handlungen sind meistens nicht monokausal zu erklären. Die Berliner Mauer wurde nicht gebaut, weil man einfach Lust und Laune hatte, sondern weil es konkrete historische Ursachen dafür gab. Die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit lässt aber oftmals noch die Anwendung der hermeneutischen Methode vermissen, die eben dem Bürger das notwendige Hintergrundwissen vermittelt. Dazu zählt in diesem Fall auch, dass man die beiden deutschen Staaten miteinander vergleicht, um zu sehen, was für beide deutschen Staaten typisch und was für einzelne spezifisch war. Nicht selten wird der Eindruck erweckt, als wäre es auch nicht gewünscht. So auch bei der Redaktion der „Blicklicht“.
Dissident Jens Pittasch und ein Teil seiner Geschichte Für den Redakteur Jens Pittasch ist es nicht das erste Mal, dass er arrogant-abfällig reagiert, wenn über die DDR nicht in üblicher „Alles war schlecht“- oder „Die Stasi war überall“-Manier berichtet wurde. Man muss wissen, dass er sich selbst als Stasi-Opfer empfindet. Wie er per Email bemerkte, wurde es ihm in der DDR verwehrt, Abitur zu machen, weil er sich nicht zur Armee verpflichten wollte. In seiner Schilderung hört es sich natürlich sehr schlimm an. Ob der Staat ihm das Abitur versagte, weil er zur Opposition gehörte, oder ob es andere Gründe gab, müsste noch geklärt werden. Ob er sich schon in der achten oder zehnten Klasse, also mit 14 oder 16 Jahren oppositionell verhielt, kann bezweifelt werden. Anders sieht es aus, wenn man die staatliche Politik betrachtet. Der Staat regulierte den Zugang zum Studium über die Vergabe von Abiturzulassungen. Dabei gab es eine Quotenregelung, wobei die Kinder aus unteren sozialen Schichten bevorzugt wurden. Jens Pittasch stammt aus einer Familie, die zur „Intelligenz“ gehörte. Wie wir aus heutiger Erfahrung wissen, haben es die Kinder der sog. Intelligenz viel leichter, Abitur zu machen und zu studieren, als die Kinder aus den unteren sozialen Schichten. Man braucht heute nur einen Blick in den Sozialbericht der Studentenwerke werfen und kann feststellen, dass die Kinder aus Akademiker- oder Beamtenfamilien in Bezug zu ihrem Anteil an einem Jahrgang vollkommen überrepräsentiert sind. Kinder aus Arbeiter- oder Arbeitslosenfamilien sind dagegen unterrepräsentiert. Das führt dazu, dass Kinder aus Arbeiterfamilien bei den Karriere- und Aufstiegschancen diskriminiert werden. Mit der Quotenregelung hatte man in der DDR versucht, den Kindern aus den unteren sozialen Schichten gleiche Aufstiegschancen zu gewährleisten wie Kindern aus anderen Schichten. Ob die Quotenregelung die beste Lösung war, sei dahin gestellt. Es gab aber auch die Möglichkeit, eine Berufsausbildung mit Abitur zu machen, wenn man nicht zur Erweiterten Oberschule zugelassen wurde. Scheinbar wurde Jens Pittasch solch eine Stelle angeboten, die er aber ablehnte, weil sie bei der Armee war. Das führte dazu, dass er eine Lehrstelle annahm. Wie man aus einer seiner Emails herauslesen kann, ist die Erlernung eines Arbeiterberufes doch etwas erniedrigend für ihn gewesen; darüber freuen, dass er einen Ausbildungsplatz bekam, will er sich jedenfalls nicht. Welche ein Luxus, den sich Jens Pittasch damit leistet, betrachtet man die Lage der heutigen Jugend! Seit 1989/90 ist er deshalb froh, nicht mehr solchen „Diskriminierungen“ zu unterliegen. Bei jeder Gelegenheit bringt er ein Loblied auf die neu entstandene Demokratie zum Ausdruck. Was seine erlittene „Diskriminierung“ mit Demokratie oder Diktatur zu tun hat, bleibt immer ein Rätsel. Wahrscheinlich geht es ihm dabei, um die Möglichkeit der eigenen Verwirklichung. Würde er sich aber einmal für seine Mitmenschen interessieren und sich die soziale Lage im Land anschauen, könnte er feststellen, dass es heute noch mehr Menschen gibt, die sich nicht verwirklichen können. Wie sich schon seit einiger Zeit anhand sozialer Studien zeigen lässt, werden auch nach der „Wende“ 1989/90 nicht alle zum Abitur zugelassen; nur das der Selektionsmechanismus nicht eine Quotenregelung ist, sondern die Zulassung zum Abitur oftmals ganz direkt vom sozialen Status abhängt. Laut Professor Lauterbach haben Kinder aus den unteren sozialen Schichten eine viermal geringere Chance, die Abiturzulassung zu bekommen, wie die anderen, obwohl sie nachgewiesener Maßen die gleichen schulischen Leistungen erbringen.
Pittasch ist einer Gesinnungsjustiz durchaus nicht abgeneigt Wem das nicht so recht gefällt oder wer sich nicht so einfach der These von der DDR als Terrorstaat ungeprüft anschließen will und aus diesem Grunde die Aufarbeitung der DDR-Geschichte etwas gewissenhafter betreiben will, der ist bei Jens Pittasch nicht so gut angesehen. In seinem Leserbrief zitiert er zwar noch Rosa Luxemburg („Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“) und redet viel von Meinungspluralismus, unter der Hand kommen aber andere Töne aus seinem Mund. Gesinnungsjustiz ist dann seine Forderung. Er schreibt in einer Email: „Denn offenbar gibt es eben Leute, die nicht zu schätzen wissen, was sich seit 1989 geändert hat und die insbesondere dauerhaft leugnen, was das (die DDR) seit 1953 für ein Staat war. Manchmal helfen dann nur Ansagen der Gerichtsbarkeit dieser ihnen verhassten, anderen Welt.“ Er wird es vielleicht nicht wissen, aber in Europa gibt es bereits mehrere Staaten, die eine Gesinnungsjustiz eingeführt haben. In diesen Staaten haben es seitdem auch die Historiker schwer, wenn sie zu Ergebnissen kommen, die nicht der vorgegebenen Linie entsprechen. Und ist diese Haltung nicht genau dieselbe, wie die, die er gern mit der DDR überwinden wollte, nämlich die Beurteilung der Geschichte nach einer vorgegebenen politischen Linie?
DDR-Dissidenten schweigen heute zu dem, was sie damals wollten Es verwundert nicht, dass er eine solche Meinung vertritt. Nach der „Wende“ 1989/90 wurde es um die Dissidenten aus der DDR ganz schnell ruhig. Mit einem Mal war ihr Ruf nach Menschenrechten und Freiheit verstummt. Wenn sich manche noch äußerten, hörte man höchstens mal „Wir leben jetzt in einer Demokratie, in der es auch einige Probleme gibt.“ Früher wollten sie aus Schwertern Pflugschare machen, heute schweigen sie, wenn Kriege geführt werden oder unterstützen diese Kriege. Früher wollten sie reisen können, heute schweigen sie dazu, dass sich viele das Reisen nicht leisten können. Sie riefen nach der Möglichkeit sich selbst zu verwirklichen, heute schweigen sie dazu, dass sozial Schwachen der berufliche Aufstieg verwehrt wird oder Bildungsmöglichkeiten vorenthalten werden. Im Allgemeinen schweigen sie heute genau zu den Problemen, die sie früher leidenschaftlich anprangerten, und daran kann man ersehen, dass es ihnen nicht um die Probleme der Menschen ging, sondern dass platter Antikommunismus aus ihnen sprach. |






























