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| Der kopflose Widerstand |
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| Sonntag, 02. Oktober 2011 um 21:10 Uhr |
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In der letzten Blicklicht (Ausgabe 06-11) rezensierte zorro das Büchlein „Der kommende Aufstand“ und eigentlich wäre dieser Rezension nicht viel hinzu zu fügen, hätten nicht bereits deutsche Linke versucht, den Inhalt in die Tat umzusetzen. Wie vielleicht einigen Lesern bekannt sein dürfte, haben einige Unbekannte auf Indymedia ein Bekennerschreiben[1] veröffentlicht, in dem sie sich zu Brandanschlägen auf die Berliner S-Bahn bekennen. Der Inhalt des Bekennerschreibens gleicht in erstaunlicher Weise dem „kommenden Aufstand“. Hinzu kommt, dass es in der deutschen Linken scheinbar einen immer stärker werdenden Flügel gibt, der sich offen zu militanten Aktionen bekennt; eine der Wortführerinnen ist die ehemalige RAF-Terroristin Inge Viett, die sich diesbezüglich in der jungen Welt und auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz äußerte. Aus eben diesem Anlass sollte eine allgemeinere Auseinandersetzung mit diesem Buch stattfinden, aber dieses Buch steht nur stellvertretend für die gesamte politische Richtung.
Lob von der konservativen Seite? Was ist es eigentlich, was dieses Büchlein ausmacht, was so viel Aufsehen erregte? Die FAZ[2] meinte, dass in diesem Buch eine neue Strategie der Linken aufgezeigt wird – überall Sabotage betreiben, überall stehlen, sich bewaffnen usw. zorro meint, die konservative FAZ hätte dieses Büchlein in den Himmel gelobt, irrt sich aber, denn die Gefahr eines neuen Linksterrorismus wurde an die Wand gemalt. Zwar wird behauptet, es handele sich um eines der wichtigsten Bücher der Linken und es würde vollkommen neue Strategien zeigen. Doch diese Einschätzung ist völlig unbegründet.
In welcher Tradition steht das Buch? Dieses Buch hat nichts Neues oder Originelles zu bieten. Alle Argumente wurden in der einen oder anderen Weise schon vor langer Zeit vorgetragen. Die Gesellschaft befindet sich in einer Sackgasse und kein Weg führt hinaus; also muss die Gesellschaft, so wie sie ist, zerstört werden. Bakunin und die alten Anarchisten wollten die „Revolte“, Martin Heidegger den „Widerruf“ und Herbert Marcuse und die Frankfurter Schule wollten die „Negation“; drei Begriffe für ein und dasselbe. Die Ablehnung der Politik ist so alt wie die anarchistischen Klassiker. Das Bekämpfen aller Organisationen, die in irgendeiner Weise um Reformen bemüht sind, ist genauso alt. Dass ATTAC, Umweltschützer, Gewerkschaften und fortschrittliche Parteien im „kommenden Aufstand“ angegriffen werden, muss niemanden wundern, denn das ist das anarchistische Programm; Reformen passen nicht in das Idealbild der Revolution. Wie den Kapitalismus überwinden? Ablehnung der Industrialisierung und Rückkehr zum Bauerntum, strenge Konspiration, Angriff auf den Staat und Sabotage wirtschaftliche Infrastruktur, Ablehnung von Autorität usw. Diese Punkte finden sich mal offen und mal verklausuliert im „kommenden Aufstand“ und sie sind spätestens seit Bakunin fester Bestandteil des Anarchismus. Die Haltlosigkeit und Kontraproduktivität dieser Positionen wurde in den letzten 100 Jahren immer wieder aufgezeigt.
Es gibt einen anderen Weg Wie aber die Menschen zur Revolte bringen? Davon verliert der „kommende Aufstand“ kein Wort. Folgt man aber die Logik anarchistischer Argumentation sind es nicht wissenschaftliche Erkenntnisse und bewusstes Handeln, was eine Bewegung braucht. Die Wut und Unzufriedenheit der Menschen sind der Quell spontanen Handelns und das reicht aus. Der Soziologe Werner Seppmann, der in seinem Buch „Krise ohne Widerstand“ herausgearbeitet hat, warum Menschen den ständig steigenden Druck und die zunehmende Unsicherheit hinnehmen, obwohl sie wütend sind, hält dagegen: Den Protesten fehlt die Richtung. Oftmals wissen die Wütenden nicht, warum sie in ihrer Lage sind, und noch weniger wissen sie, wie sie diese Lage verändern können. Das ist auch das Problem der Spanier: Viele sind wütend und protestieren, wissen aber nicht so recht, was sich ändern soll. Den Wütenden fehlt die Organisation, die ihrem Protest Kraft verleihen und ein koordiniertes Handeln zulassen würde. In Spanien beschränkt sich der Protest auf einige Metropolen und in den kleineren Städten weiß man nicht, was man machen soll, und selbst in den Zentren ist man sich nicht einig wofür oder wogegen man sein soll. Seppmann warnt davor, dass sich unter diesen Umständen ganz schnell Resignation verbreiten kann, die Wut in Ohnmacht umschlägt und die Menschen nicht mehr mobilisierbar sind. Dieser Prozess wird auch bereits in Spanien beobachtet. Resignation, Frustration und der Glaube mit „herkömmlichen Mitteln“ nichts erreichen zu können, hat immer wieder dazu geführt, dass sich Menschen dem Terrorismus zugewandt haben. Fazit Die Bedeutung des „kommenden Aufstands“ ist eindeutig zu hoch eingestuft. Er bringt nicht nur nichts Neues, er illustriert auch sehr deutlich, dass die Autoren aus der Geschichte des Anarchismus nichts gelernt haben, denn Sabotage, Brandstiftungen, Attentate, der Welt entsagen usw. haben die Masse der Bevölkerung noch niemals für sich gewinnen und überzeugen, geschweige denn Macht- und Ausbeutungsverhältnisse beseitigen können. Linke sollten sich dessen bewusst. |






























