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| In antifaschistischer Tradition |
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| Donnerstag, 12. November 2009 um 20:44 Uhr |
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In der Novemberausgabe der „Blicklicht“ hat die Cottbusser Antifa einen kurzen, einleitenden Artikel über den Umgang der DDR mit dem deutschen Faschismus veröffentlicht. Die Stoßrichtung des Artikels geht eindeutig in die Richtung, der DDR zu unterstellen, sie wäre nicht antifaschistisch gewesen. Diese Argumentation ist nicht neu und wird unter Linken noch oft benutzt, auch wenn sie nicht sonderlich stichhaltig ist. Weil sich die Antifa oft nicht die Mühe macht, historische Themen gründlich zu recherchieren, lässt sie sich leider als Multiplikator für antisozialistische und antikommunistische Vorurteile benutzen. Auch wenn sie es nicht wirklich wollen, tragen sie dazu bei, Ruhm und Ehre derjenigen zu schmälern, die in Spanien mit der Waffe in der Hand gegen den Faschismus kämpften oder der in deutschen Gefängnissen und Konzentrationslagern wegen antifaschistischer Arbeit inhaftierten, gefolterten und ermordeten Personen. Denn sie waren es, die sich daran machten, die DDR aufzubauen. Indem man mangelnden Antifaschismus in der DDR ausmachen will, führt man den Effekt herbei, dass der Blick von der BRD-Geschichte abgelenkt wird. Man wirft der DDR vor, NS-Verbrecher versteckt zu haben und bleibt die Beweise schuldig, und man lenkt davon ab, dass dies in der BRD offizielle Politik war. In dem Artikel wird hauptsächlich eine Internetseite verarbeitet und unkritisch übernommen, die vorgibt, sich mit dem Problem des Faschismus bzw. der Nazis in der DDR zu beschäftigen. Es fällt sofort auf, dass dort viele Zahlenangaben gemacht werden, die auch teilweise übernommen wurden, aber keine einzige Quelle benennen und sie damit jeglicher kritischen Prüfung entzogen sind. Selbst wenn diese Zahlen stimmen sollten, besagen sie nicht das Geringste. Als Offizier oder Unteroffizier in der Wehrmacht „gedient“ zu haben, ist nicht gleichbedeutend damit, ein Faschist zu sein. Und wieviele dieser Personen haben die Fronten gewechselt, haben gegen die Wehrmacht gekämpft oder haben sich dem Nationalkomitee Freies Deutschland angeschlossen und haben an der Front unter Lebensgefahr antifaschistische Aufklärungsarbeit betrieben? Wieviele Personen waren als Mitläufer einfache Mitglieder der NSDAP? Sollte man ihnen unterstellen, ihre Fehler nicht einsehen zu können und sich von der faschistischen Ideologie trennen zu können? Wieviele dieser Personen hatten in der DDR politischen Einfluss und wie weit ging dieser? Keine dieser Fragen wird auch nur annähernd benannt. Die Quelle des Artikels sagt, die DDR hätte Hinweise auf Faschisten in verantwortlichen Positionen in den Wind geschlagen. So hat Simon Wiesenthal, bekannt geworden durch das Aufspüren von untergetauchten Nazis, seinerzeit bekannt gegeben, er könne eine Liste von zahlreichen Personen vorlegen, die im Dienste des „Dritten Reiches“ Verbrechen begingen und in der DDR leben würden. Diese Liste wurde nicht vorgelegt, obwohl die DDR darum gebeten hatte, und bis heute hat diese Liste nicht das Licht der Öffentlichkeit erblickt.[1] Im Lichte der geschichtlichen Ereignisse betrachtet, entpuppt es sich als reine antikommunistische Propagandaaktion, wurden doch zahlreiche Nazis im Dienste der Bonner Republik entlarvt.[2] Immer wieder wird behauptet, in der DDR wurde der „Grundsatz“ unangetastet gelassen, es hätte keine öffentliche Diskussion über die Verbrechen des Faschismus gegeben. 2007 wurde dies u.a. von der Amadeu-Antonio-Stiftung in einer Wanderausstellung vertreten. Man möge das lange Zitat entschuldigen, aber an dieser Stelle sei auf einen Artikel des Faschismusforschers Kurt Pätzold aus dem Neuen Deutschland vom 07.04.2007 hingewiesen („Du sollst nicht falsch Zeugnis geben“). Pätzold publizierte zahlreiche Bücher und Artikel über den deutschen Faschismus und Antisemitismus. In dem hier angeführten Artikel macht er deutlich, dass sich die DDR-Führung sehr stark darum bemühte, die Menschen über das Geschehene in den Jahren 1933-45 aufzuklären. „Im letzten Jahr vor dem Ende der DDR arbeiteten die aus dem Staatshaushalt finanzierten Studios der DEFA in Potsdam-Babelsberg und die ihnen verwandten Einrichtungen des Fernsehfunks in Berlin-Adlershof an einem künstlerischen und ideologischen Programm weiter, dem sie seit Langem folgten. Dazu gehörte, dass 1988/1989 insgesamt sieben Dokumentarfilme fertiggestellt wurden, deren Gegenstand oder Thema die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden waren. »Jeder konnte es sehen - Novembertage« hieß der Film von Karl Gass, des Altmeisters des Dokumentarfilms in der DDR, der unlängst seinen 90. Geburtstag feierte. Seine Bilder widerlegten einmal mehr die hartnäckig verbreitete Lüge, dieses und jenes der massenhaft begangenen Verbrechen sei ganz geheim geschehen, eine Ausrede, der auch ein sozialdemokratischer Bundeskanzler aufhalf, als er behauptete, in seiner Kieler Kaserne sei von dem Pogrom des November 1938 nichts zu erfahren gewesen. Über den größten jüdischen Friedhof in Mitteleuropa drehte Roza Berger-Fiedler den Streifen »Erinnern heißt leben - Weißenseer Friedhof«. Von den Schikanen, die Stuttgarter Juden erlitten, hatten sich Aufnahmen erhalten, die von der Gestapo gemacht worden waren. In der Bundesrepublik war der Fund unverwertet geblieben. Gerhard Scheumann und Walter Heynowski schufen in ihrem Studio »Die Lüge und der Tod«. Konrad Weiß' Film »Ich bin klein aber wichtig - Janusz Korczak« wandte sich besonders, aber natürlich nicht nur an junge Leute und Pädagogen. »Herr Schmidt von der Gestapo. Filmische Dokumentation einer Beamtenkarriere« nannte wiederum Roza Berger-Fiedler jenen Dokumentarfilm, den sie vom Prozess gegen einen spät entdeckten, dann vor Gericht gestellten Gestapomann machen konnte. Und ein weiterer Streifen der gleichen Autorin und Regisseurin hatte »Die Nacht als die Synagogen brannten« zum Thema. »Mann an der Rampe« hieß ein Film aus der Werkstatt von Scheumann und Heynowski. Keine Frage, dass die Dichte dieser Filmreihe, die man sich auf einer in Schulen verwendbaren DVD wünschen könnte, durch den 50. Jahrestag jenes Verbrechens mitbestimmt war, das am 9. November 1938 und in der Folge verübt worden war. Doch bedeutete diese Zuwendung keinen Wandel. Sie setzte eine schon in der »Zonen«-Zeit begonnene Arbeit fort. In der Erinnerung mehrerer Generationen von DDR-Bürgern blieb sie vor allem mit den Spielfilmen »Ehe im Schatten« (Kurt Maetzig, 1947), »Affäre Blum« (Erich Engel, 1948), »Sterne« (Konrad Wolf, Angel Wagenstein, 1959), »Professor Mamlock« (Konrad Wolf, 1961), »Nackt unter Wölfen« (Frank Beyer, 1963), »Jakob der Lügner« (Frank Beyer, 1974). Der unvollständigen Aufzählung ließen sich Zahlen über die Besucher der Vorführungen anfügen, nicht zustande gekommen, weil Junge und Alte in Klassen oder Brigaden in die Kinos heilsam genötigt worden wären. Jede dieser Filmhandlungen forderte zu Parteinahme heraus und nicht wenige berichteten davon. So auch »Sterne«, dessen Geschichte in die Wandlung eines Wehrmachtssoldaten mündet, der in Bulgarien Zeuge des Abtransports griechischer Juden in den Tod von Auschwitz geworden war. Der Film gelangte zu einem Verleih in der Bundesrepublik und sollte in den Vorteil gebracht werden, den ein lobendes Prädikat ihm verschaffen konnte. Es wurde erteilt, jedoch an eine Bedingung geknüpft. Der Schluss, die einsetzende Wandlung, war als unglaubwürdig zu tilgen. Das geschah. Soviel zum Staat und seinen Filmproduktionsstätten. Dem könnte eine Darstellung der einschlägigen Buchproduktion aus den zumeist volkseigenen Verlagen folgen, der voranzuschicken wäre, dass auch sie (wie sonst wären die Buchpreise zu halten gewesen) staatlich hochsubventioniert wurde. An ihr waren die Schriftsteller Friedrich Wolf, Lion Feuchtwanger, Stephan Hermlin, Jurij Brezan, Bruno Apitz, Franz Fühmann, Rolf Hochhuth, Peter Weiß, Jurek Becker, Rosemarie Schuder und Rudolf Hirsch und viele andere beteiligt. Zu ihr trugen Wissenschaftler bei, in deren Reihe Georg Lukacs, der Ökonom Siegbert Kahn, der Jurist Karl-Friedrich Kaul, der Kirchenhistoriker Kurt Meier, der Philosoph Wolfgang Heise, der Romanist Victor Klemperer gehören. Schon in dieser Aufzählung scheinen die Namen verfolgter Juden auf. Opfer des antijüdischen Terrors erinnerten sich und schrieben eindrucksvolle und vielgelesene Bücher. Peter Edels »Wenn es ans Leben geht« mag hier für sie alle stehen. Welch Ignoranz und Missachtung gegenüber dem, was Menschen erlitten und leisteten, drücken sich in Texten wie dem zitierten aus, die auf den ersten Blick »nur« der Diffamierung des ostdeutschen Staates dienen. Der hat auch auf diesem Felde Unterlassungen und Versagen aufzuweisen. In der Frühphase der DDR hat es zeitweilig eine politisch sektiererische, verständnislose und dumme Politik gegenüber jüdischen Gemeinden mit verheerenden, nicht wieder zu behebenden Folgen gegeben, die zu Flucht und Weggang von Juden »in den Westen« führte. Lange mangelte es der Erinnerung in öffentlichen Räumen an Konkretheit, präzisen Angaben über Umstände und Personal, von dem Verbrechen verübt wurden, was die gedankliche und emotionale Provokation herabsetzte. Manchen Opfern wurde aus Gründen politischer Differenz das Gedenken verweigert. Auch davon soll nichts vergessen sein. Doch was die Bekämpfung der Ideologie des Rassismus und des rassistischen Antisemitismus betrifft, hat die DDR, ohne und nicht nur wegen der Nachbarschaft der Bundesrepublik einen Totalerfolg erzielen zu können, eine Hinterlassenschaft aufzuweisen, die ohne erkennbares Verfallsdatum ist und in ihren besten Hervorbringungen zum unverlierbaren Bestand nationaler und internationaler Kultur gehört. Das wird ungewollt eingestanden durch den Versuch, Antizionismus, eine nicht nur bei Sozialisten anzutreffende Haltung, und Antisemitismus gleichzusetzen. Über diese Brückenkonstruktion soll sonst fehlendes Beweismaterial für den ostdeutschen Antisemitismus herangeschafft werden - für Unbedarfte. Nein, einen Staatssekretär Hans Maria Globke hat es bei uns wirklich nicht gegeben.“ Das hier angeführte Zitat widerlegt auch die Behauptung, dass sich in der DDR nicht kritisch mit rechtem Gedankengut auseinander gesetzt wurde. Wieviele rechtsextreme Straftaten in der DDR tatsächlich begangen wurden, wird nicht gezeigt; es wird auch nichts dazu geschrieben, wieviele rechtsextreme Straftaten von der Justiz verfolgt wurden. Der NPD-Stadtratsabgeordnete von Cottbus Frank Hübner wurde jedenfalls in der DDR inhaftiert, aber von der BRD als „politischer Gefangener“ freigekauft. Andere tummeln sich heute in den Kreisen der Stasi-Opfer und werden vom BRD-Staat hofiert.[3] Am Schluss möchte ich doch die Frage stellen: Wieviel Antifaschismus ist nötig, um als Antifaschismus anerkannt zu werden?
[1] Detlef Joseph: Vom angeblichen Antisemitismus der DDR [2] www.braunbuch.de [3] http://www.tagesspiegel.de/berlin/Stasi-DDR-Hohenschoenhausen;art270,2936093
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